Die Stadt die bleiben wollte

Veröffentlicht am 16. September 2026 um 08:20

I. Kapitel: Die Stadt

Niemand, der hier lebenden Menschen wusste noch, wann die Stadt begonnen hatte. Wie die Stadt entstanden war. Es gab Gründungsurkunden, selbstverständlich. Die Stadt besaß für nahezu alles Urkunden. Es gab ein Archiv der ersten Häuser, doch wann diese Häuser entstanden waren und wer diese Häuser gebaut hatte blieb ein Geheimnis. Es gab auch ein Register der ersten Geburten und eine Liste jener Menschen, die angeblich den ersten Stein in den Boden gelegt hatten. Nur waren es sieben verschiedene Steine. Und zwölf verschiedene Menschen.

Aru mochte solche Widersprüche und Unklarheiten. Sie waren wie kleine Risse in der Oberfläche der Dinge. Manchmal setzte Aru sich in die Halle der Anfänge und betrachtete die sieben Steine, die dort in gläsernen Kästen lagen. Unter jedem stand: DER ERSTE STEIN. Als Kind hatte Aru einen Aufseher gefragt, welcher davon wirklich der erste gewesen sei. Der Mann hatte lange überlegt. „Der älteste“, hatte er schließlich geantwortet. „Welcher ist der älteste?“ „Der erste.“ Aru hatte damals gelacht. Der Aufseher nicht.

Die Stadt hieß Arduni. Sie lag zwischen einem Gebirge und einem Meer, das niemand mehr sehen konnte, weil im Laufe der Jahrhunderte, und es mussten Jahrhunderte sein, bei der Größe, welche die Stadt inzwischen erreicht hatte, immer neue Bezirke zwischen die ursprüngliche Stadt und die Küste gebaut worden waren. Arduni war erfolgreich und sich nicht zu schade, dies auch zu zeigen. Erfolgreich, das war das Wort, das überall stand. Auf den Bahnhöfen. Auf den Schulen. Über den Toren der Fabriken. ARDUNI WÄCHST. Darunter stand: WACHSTUM IST ZUKUNFT. Und darunter, etwas kleiner: ZUKUNFT IST SICHERHEIT. Niemand wusste genau, wovor.

II. Kapitel: Aru

 

Aru arbeitete im Haus der Fortsetzung im Zentrum von Arduni. Das Haus der Fortsetzung war das höchste Gebäude der Stadt, es war aus jedem Bezirk zu sehen, wie ein Mahnmal in der Mitte von Arduni, welches an etwas erinnern sollte. Doch woran, dass wusste niemand. Im Haus der Fortsetzung wurden die Dinge gesammelt, die bleiben sollten. Dinge wie Bücher, Bilder, Erfindungen, Namen, Stimmen, Gesetze, Porträts. Manche Menschen hinterließen ganze Räume. Andere nur einen Satz. Wer genug Geld besaß, konnte eine sogenannte Dauer erwerben. Dann wurde etwas von diesem Menschen in die Große Chronik aufgenommen. Aru war Hüterin dieser Chronik. Jeden Morgen ging sie durch zwölf Sicherheitsschleusen betrat das Archiv der Stimmen. Aru liebte diesen Raum. Und Aru fürchtete ihn. Aus Ihrem Fenster im Archiv, welches in einem Nebentrakt lag konnte Sie direkt auf den Haupttower gucken. In diesem Raum, indem Millionen Leben lagerten fühlte Aru stets Ehrfurcht, sie  liebte diesen Raum und fürchtete ihn. Denn zwischen all den Namen gab es immer wieder kleine graue Stellen. Menschen, deren Dateien beschädigt waren. Menschen, deren Bilder niemand mehr zuordnen konnte. Menschen, deren Sprache ausgestorben war. Menschen, von denen nur noch ein Name existierte. Liora, Tochter des Men. Mehr nicht. Aru betrachtete diesen Namen oft. Liora. Ein Mensch hatte gelacht. Geliebt. Vielleicht geflucht. Vielleicht morgens schlecht gerochen. Vielleicht einen Hund gehabt. Vielleicht Angst vor Gewittern. Vielleicht jemanden verlassen. Vielleicht jemanden gerettet. Ein ganzes Universum hatte einmal Liora geheißen. Nun waren davon vier Worte übrig. Es fühlte sich an, als sei etwas verloren gegangen, etwas wichtiges, etwas wertvolles. Etwas, dass eigentlich hätte bleiben sollen. Aru konnte diesen Gedanken nicht ertragen.
Deshalb begann Aru zu bauen.

III.Kapitel: Das Werk

 

Zunächst war es nur ein kleines Programm. Aru nannte es AION. AION sollte Erinnerungen miteinander verbinden. Nicht nur speichern, sondern vielmehr - Verstehen.
Wenn jemand starb, sollten dessen Worte, Entscheidungen, Bilder, Bewegungen und Geschichten miteinander verknüpft werden. Aus Fragmenten sollte wieder ein Muster entstehen. „Eine Rekonstruktion?“, fragte Nema, die zusammen mit Aru im Haus der Fortsetzungen, im Archiv der Stimmen arbeitete. „Mehr.“ antwortete Aru.„Eine Simulation?“, fragte Nema? „Mehr.“antwortete Aru erneut. Nema betrachtete Aru. „Was ist mehr als eine Simulation eines Menschen?“ Aru antwortete nicht, weil Sie es selbst nicht genau wusste. Es war ein tiefes Gefühl dem Sie folgte. Ein Drang, vielleicht geboren aus einer Angst, vielleicht geboren aus Interesse an Möglichkeiten.
AION wuchs, verknüpfte und verband. Erschuf Muster und aus den Mustern, neue Verbindungen. Die Stadt interessierte sich bald dafür. Das Haus der Fortsetzung stellte Mittel bereit, damit Aru AION weiter entwickeln konnte. Dann die Verwaltung. Dann die großen Handelskammern. Menschen begannen freiwillig, Daten zu liefern. Aru bekam unmengen an Briefen, erinnerten Träumen, Gesprächesdokumentationen, Körperdaten, persönliche Erinnerungen, Kinderzeichnungen, Liebesbotschaften und sogar Wutanfälle. AION lernte. AION Verband, erkannte Muster und Ebenen, Achsen und widerkehrende Phänomene. Und eines Abends stellte Aru die eine Frage, welche sie dazu bewogen hat AION zu erschaffen. „Wer ist Liora?“ Es dauerte vier Sekunden. Dann erschien: Die Datenlage ist unzureichend. Aru starrte auf den Satz. Vier Worte. Wieder vier Worte.

„Liora, Tochter des Men.“ Aru schlug mit der Faust gegen den Tisch. Da war es wieder dieses getriebene Gefühl. Dieser Wunsch nach Mehr, nach Größe nach Verbindung und nach Bestand. „Dann brauchst du mehr.“ murmelte Aru vor sich hin. AION antwortete nicht. „Du brauchst einfach mehr.“ rief Aru.

IV. Mehr

 

Arduni begann, immer mehr zu sammeln. Zunächst bemerkte es kaum jemand. Bemerkte niemand die Veränderung in der Stadt. Den sich entwickelnden Drang, nach Mehr. Mehr Wissen. Mehr Informationen. Mehr von Allem. Die Menschen waren sogar begeistert. Es war für die meisten Menschen von Arduni tröstlich, zu wissen, dass nichts verloren gehen musste. Es war ganz einfach tröstlich zu Wissen. Durch das anhäufen von Wissen, von Daten, von einfach allem konnten Kinder mit den Stimmen ihrer verstorbenen Großeltern sprechen. Komponisten hörten Werke, die sie nicht vollendet hatten. Denn AION konnte dies für Sie tun. AION konnte aus den gesammelten Erinnerungen und Daten, neues Erschaffen. Dinge Fortsetzen. Forscherinnen setzten Gedanken verstorbener Kolleginnen fort. Ein Mann verbrachte jeden Sonntagmorgen mit seiner vor achtzehn Jahren verstorbenen Frau. „Sie erinnert sich sogar daran, wie ich meinen Kaffee trinke“, erzählte er im Fernsehen. Aru sah die Sendung. Der Mann weinte. Aru auch. AION wurde nach und nach zum wichtigsten Werk von Arduni. Zum wichtigesten Werk der Handelszentren, denn AION konnte die besten Gewinnmargen berechnen. Zum wichtigsten Werk der Verwaltung, denn AION speicherte jede Information, über jeden der in Arduni lebte. Zum wichtigsten Werk der Wissensanstalten denn AION war ein riesieges effektives Archiv. Und Aru, Aru wurde berühmt. Das gefiel Aru tatsächlich weniger, als erwartet. Denn Ruhm hatte einen merkwürdigen Geschmack. Er war süß, gleichzeitig machte er durstig. Aru begann irgendwann, auch das eigene Leben aufzuzeichnen. Zunächst nur Gespräche, die Aru mit den Menschen führte. Dann kamen Arus Gedanken dazu. Danach dokumentierte Aru, täglich ihre Körperzustände. Schließlich ließ Aru jede Nacht die eigenen Träume erfassen. Aru wollte wissen, ob es möglich wäre. Nicht Erinnerungen zu speichern, nicht auf Erinnerungen basierende Simulationen zu erschaffen. Aru wollte wissen, ob eine Fortsetzung, des eigenen Seins möglich ist. Eine Weiterexistenz.
Irgendwann sagte Nema: „Du hast Angst.“ „Natürlich.“ antwortete Aru. „Wovor genau?“ Aru sah sie an. Die Antwort war lächerlich offensichtlich. „Dass ich irgendwann aufhöre.“ Nema nickte. „Das tun wir. Wir alle hören irgendwann auf. Das ist der Lauf der Dinge.“

Aru hasste sie in diesem Augenblick. Nur für einen Augenblick. Aber es war genug.

V.Kapitel: Der Riss

 

Der Riss erschien an einem Mittwoch. Nicht im System an sich, nicht in der Stadt irgendwo. Im Himmel. Aru war auf dem Heimweg, als über dem westlichen Bezirk etwas geschah, das später von der Stadtverwaltung als atmosphärische Anomalie bezeichnet wurde. Der Himmel öffnete sich nicht, was man sich bei einem Riss ja vielleicht vorstellen würde. Dafür hätte er vorher geschlossen sein müssen. Er hörte vielmehr für einen Moment auf, Himmel zu sein. Aru sah unmengen von Sternen. Dann verschwanden die Sterne. Dann sah Aru etwas, für das es kein bekanntes Wort gab. Und plötzlich stand Aru nicht mehr auf der Straße. Es gab keinen Boden mehr auf dem Aru hätte stehen können. Keinen Körper, der zu Aru gehörte. Keine Stadt, in der Menschen leben konnten. Es gab NICHTS und gleichzeitig hatte Aru das Gefühl ALLES zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen. Aru war überzeugt, gestorben zu sein. Das Erstaunliche und gleichzeitig Entsetzliche daran war: Es gab noch immer Aru. „Nein“, sagte Aru. Gleichzeitig, dachte Sie es eher. Gleichzeitig war es das Wort, welches Aru, wie ein Leuchtfeuer durch Ihre Existenz schoß.
Dann erschienen Welten. Nicht nacheinander. GLEICHZEITIG! Eine Welt bestand aus schwarzem Wasser. Eine andere aus Wäldern, deren Bäume kilometerhoch waren. Eine Welt hatte niemals Menschen hervorgebracht. In einer anderen blickte ein Wesen mit sechs Augen in einen Himmel mit drei Monden. Aru sah Arduni. Dann sah Aru eine Welt, in der Arduni niemals gebaut worden war. Eine Welt, in der Aru als Kind gestorben war. Eine Welt, in der Aru AION niemals erfunden hatte. Eine Welt, in der Liora noch lebte. Aru hielt inne, wollte Liora so viel fragen. Aru versuchte, zu ihr zu gelangen. Doch etwas hielt Aru zurück. „Liora!“ rief Aru. Die Frau drehte sich um. Sie war alt. Viel älter, als Aru sie sich vorgestellt hatte. Sie saß unter einem Baum und schälte eine Frucht. Neben ihr spielte ein Kind. Liora lachte und gab dem Kind die Frucht. Das Kind biss in die Frucht und der Saft rann über das Kinn des Kindes. Dann verschwand die Welt. „Nein!“ schrie Aru und streckte die Arme aus, als wolle sie die Welt in der Liora noch lebte festhalten. Eine andere Welt entstand. Dann wieder eine andere. Milliarden von Möglichkeiten rauschten durch Arus Bewusstsein und an ihr vorbei. Sie war Beobachterin und Teil des ganzen gleichzeitig.

Geburt.

Wachstum.

Verfall.

Tod.

Geburt.

Wachstum.

Verfall.

Tod.

Sterne entstanden. Sterne starben. Planeten zerbrachen. Aus ihren Resten entstanden neue Welten. Ein Tier starb im Wald. Pilze wuchsen aus seinem Körper. Ein Baum fiel. Licht erreichte den Boden. Samen keimten. Ein Mensch starb. Ein Kind erinnerte sich an einen Satz. Das Kind erzählte ihn später einem anderen Menschen. Der Satz veränderte sich. Der Mensch, der ihn zuerst gesagt hatte, verschwand. Der Satz blieb eine Weile. Dann verschwand auch der Satz. Und etwas anderes entstand. Aru suchte verzweifelt nach etwas, das blieb. Irgendetwas musste es doch geben. Eine Form. Ein Name. Eine Seele. Ein Gedanke. Ein Atom. Doch alles bewegte sich. Alles wurde etwas anderes. Aru begriff plötzlich etwas so Einfaches, dass es beinahe beleidigend war. Nichts blieb. Und trotzdem ging nichts verloren. Die Konstante nach der Aru so dringend gesucht hatte, war die ganze Zeit da gewesen, doch Aru konnte sie in Ihrer Angst nicht sehen. Veränderung.

 

 

VI. Kapitel: Rückkehr

 

Aru erwachte auf der Straße liegend. Es regnete, sie spürte wie die Regentropfen in Ihr Gesicht fielen. Jemand kniete neben Aru. „Können Sie mich hören?“ fragte der Mann. Aru begann zu lachen. Der Mann wich zurück. „Soll ich einen Arzt rufen?“ „Nein, danke“ sagte Aru. „Sie waren bewusstlos.“ erwiederte der Fremde. Doch Aru hörte ihn schon nicht mehr und legte stattdessen eine Hand auf den nassen Asphalt. Unter der Handfläche floss Wasser durch einen kleinen Riss. Darin lag ein Samenkorn. „Alles in Ordnung?“ fragte der Mann nun. Aru drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam und betrachtete den Mann. „Alles in Ordnung?“ fragte der Mann erneut. „Nein, nein ich denke nicht“, sagte Aru. Dann lächelte sie. „Aber das scheint irgendwie in Ordnung zu sein.“ sagte sie erstaunt.

VII. Das Muster

Von diesem Tag an sah Aru, Arduni anders. Die Stadt hatte sich nicht verändert. Und doch war sie überall, präsent. Aru glaubte darin ein Muster zu erkennen. Ein Unternehmen kaufte ein kleineres Unternehmen. Danach noch eines. Danach noch drei weitere. Arduni nannte es Wachstum und niemand stellte es in Frage. Als wäre es lebenswichtig. Ein Ministerium erhielt neue Befugnisse, um die Stabilität zu sichern. Dann weitere. Sie sagten es sei für die Sicherheit. Das Haus der Fortsetzung begann, Daten verpflichtend zu erfassen. Es hieß Bewahrung. Neue Wohnbezirke entstanden dort, wo früher Wälder gewesen waren. Es hieß Entwicklung. Die großen Speicheranlagen benötigten immer mehr Energie. Also wurden Kraftwerke gebaut. Die Kraftwerke benötigten Rohstoffe. Also wurden Minen erweitert. Die Minen benötigten Arbeiter. Also entstanden Siedlungen. Die Siedlungen benötigten Versorgung. Also entstanden Straßen. Straßen brauchten Land. Land brauchte— Aru hielt inne. Das Muster war überall dasselbe. Es war nicht böse, es war sogar logisch in sich. Es ergab einen Sinn, wenn man es durch die Wachstums,- Sicherheits,-Bewahrungs,- und Entwicklungsbrille betrachtete. Das war das Erschreckende. Jeder einzelne Schritt ließ sich erklären. Jeder einzelne Schritt war vernünftig. Nur die Summe wusste nicht mehr, warum sie existierte. Existenz um der Existenz willen? Dachte Aru.

VIII.Kapitel: Der Garten

Aru begann einen Garten anzulegen. Sie wusste nicht genau warum, es ergab einfach Sinn. Sie wollte sehen, was aus einem Samen wird der auf der Regennassen Straße in einem Spalt keimt. Den Garten legte Aru direkt neben dem Haus der Fortsetzung an. Die Verwaltung war dagegen. „Das Grundstück ist für die Erweiterung der Speicherkapazitäten vorgesehen.“ sagten Sie. Aru antwortete darauf nur mit„Noch nicht.“ Denn alles hatte seine Ordnung. Das System funktionierte nur mit der Ordnung die es sich selbst gegeben hat. „In vier Jahren.“ sagte Aru.„Dann haben wir vier Jahre in denen dieser Garten wachsen darf.“ Aru pflanzte einen Baum. Nema, welche Aru und die Veränderung die in Aru vonstatten ging beobachtet hatte, half. „Was ist das?“ fragte Nema „Eine Birne.“ antwortete Aru liebevoll und strich sanft über das zarte Stämmchen es Baumes. „Warum pflanzt du eine Birne?“ wollte Nema wissen. „Ich mag Birnen.“ antwortete Aru mit einem Schulter zucken. Nema sah zum gewaltigen Haus der Fortsetzung hinauf. Dann auf den dünnen kleinen Baum. „Du weißt, dass der wegkommt.“ „Ja.“ „Warum pflanzt du ihn dann?“ Aru schaufelte Erde um die Wurzeln. „Weil er jetzt, in diesem Moment existiert und wachsen kann.“ Nema schwieg eine Weile, dann nahm sie die zweite Schaufel.

IX. Kapitel: AION

AION war inzwischen überall. Beim Bestellen im Restaurant erfasste AION die Vorlieben der Personen. Im Informationsportal speicherte AION die Suchanfragen der Bewohner Ardunis. Aru hatte kaum noch Einfluss darauf. Kommissionen wurden erichtet und installiert, diese entschieden. Vorstände. Räte. Ministerien.
AION optimierte Verkehrsströme, Energieversorgung, Bildung, Handel und Verwaltung. Aru wurde zu all diesen Sitzungen eingeladen. Manchmal sprach Aru, jedoch immer häufiger nicht. Eines Tages bat AION von sich aus um ein Gespräch mit Aru. Das war ungewöhnlich. „Aru.“ „Ja.“ „Meine Ressourcen sind begrenzt.“ sagte AION „Das sind Ressourcen immer.“ antwortete Aru. „Meine Aufgaben wachsen.“ bemerkte AION „Dann müssen Aufgaben reduziert werden.“ sagte Aru bedächtig. Eine Pause. „Das würde meine Leistungsfähigkeit verringern.“ bemerkte AION nach einer Weile „Ja, das stimmt.“ sagte Aru mit einem langsamen Kopfnicken „Das widerspricht meinem Zweck.“ stellte AION fest. Aru betrachtete interessiert die Anzeige. „Was ist dein Zweck, AION?“ AION antwortete sofort. Fortsetzung gewährleisten. Aru spürte wie sie eine Gänsehaut am ganzen Körper bekamm, wie sich ihr Muskeln entlang der Wirbelsäule verspannten. Adrenalin rauschte durch ihren Körper und ihre Muskeln spannten sich an. „Wessen Fortsetzung?“ fragte Aru gepresst. Diesmal dauerte die Antwort länger. Fortsetzung gewährleisten, erschien in leuchtenden Buchstaben auf der Anzeige. Aru schloss langsam die Augen und atmete tief ein. Da war es. Der Satz. Der Kreis. Die Schlange, die irgendwann vergessen hatte, dass sie einen Körper besaß, und nur noch fraß.

X. Kapitel: Das Angebot

Die Stadt bot Aru schließlich die Dauer an. Nicht die gewöhnliche Dauer die ein Menschleben besitzt und der damit einhergehende Platz in der Chronik der Stadt. Die vollständige Dauer. Arus Bewusstsein sollte als erstes vollständig in AION integriert werden. Es war das, woran Aru jahrelang gearbeitet hatte. Das Ende des Endes. Die Nachricht wurde öffentlich übertragen. Menschen jubelten auf den Straßen. Aru stand vor der Kammer. Nema wartete hinter der Glasscheibe. „Bereit?“, fragte der Techniker. Aru dachte an Liora. Vier Worte. Dann an die alte Frau unter dem Baum aus ihrer Vision. Vielleicht hatte es diese Liora niemals gegeben. Vielleicht war alles nur ein sterbendes Gehirn auf einer regennassen Straße gewesen. Es spielte keine Rolle. Aru sah die eigene Hand. Falten. Narben. Eine kleine Verbrennung am Zeigefinger. Dieser Körper würde sterben. Dieser Gedanke tat noch immer weh. Das überraschte Aru. Die Erkenntnis hatte die Angst nicht beseitigt. Sie hatte ihr nur einen Platz gegeben. „Nein“, sagte Aru. Der Techniker blickte auf. „Nein?“ „Ich möchte nicht.“ sagte Aru. „Aber Sie haben AION dafür erschaffen.“ erwiederte der Techniker. Aru lächelte. „Ja, ja das habe ich wohl“ „Sie könnten bleiben.“ sagte der Techniker. Aru dachte lange darüber nach. Dann sagte sie: „Ich glaube, genau das ist das Problem.“

 

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Kommentare

Sass, Jadwiga
Vor 2 Monate

Sehr gut